Lesetag am Leibniz: Marie-Louise Lichtenberg und Klaus-Peter Wolf geben sich die Ehre!

Dieses Mal war alles ein wenig anders: Bereits am Vorabend des Lesetags wurde dem erwachsenen Publikum eine Lesung mit Klaus-Peter Wolf geboten, am folgenden Vormittag lernte er die Kinder und Jugendlichen der Unter- und Mittelstufe kennen.

Die Oberstufe hatte am Nachmittag die Gelegenheit, mit Marie-Louise Lichtenberg eine Autorin kennenzulernen, die mit ihrem Buch „Zwischen Glück und Grauen“ über Auschwitz informiert.

Doch erst einmal der Reihe nach…

Klaus-Peter Wolf: Ein unvergesslicher Abend und ein bewegender Tag in der Region

Am 29. Januar 2025 war Klaus-Peter Wolf, der bekannte Autor aus Ostfriesland, zu Gast in der Alten Kirche und sorgte mit einer besonderen Lesung und Begegnung für einen unvergesslichen Abend. An diesem Tag hatte auch sein neuestes Buch „Ostfriesen Nebel“ Premiere, was die Veranstaltung zu einem Glanzlicht für alle Literaturbegeisterten machte. Über 300 Gäste fanden sich im festlich vorbereiteten Raum ein, um dem Autor zu lauschen und mehr über das spannende Werk zu erfahren. Die Atmosphäre war von Anfang an durch die Vorfreude und die besondere Bedeutung des Abends geprägt, da die Veranstaltung nicht nur dem literarischen Genuss diente, sondern auch einem wohltätigen Zweck zugutekam.

Ehrengäste und prominente Besucher

Der Abend wurde von einer Vielzahl an Ehrengästen begleitet, darunter Inge Meyer-Dietrich, die als Grande Dame der Kinder- und Jugendbuchliteratur bekannt ist. Auch das Künstlerehepaar Gölzenleuchter, dem die geneigte Leserschaft auch literarisch in den Ostfriesenkrimis begegnen kann, und Karin Hartmann, die mit ihrem Kinderbuch „Pauline und die Asphaltpanther“ vielen Schülerinnen und Schülern das Lesen und das Mitgefühl für andere näherbrachte, gaben sich die Ehre. Es war ein Moment des Zusammenkommens für die Literaturwelt, und der Austausch unter den Anwesenden war genauso lebendig wie die Lesung selbst.

Ein stimmungsvolles Ambiente und eine lange Warteschlange

Die Buchhändlerinnen hatten sich perfekt auf den Abend vorbereitet. Ein kleiner Unfall bei der Ankunft konnte sie nicht aus der Ruhe bringen: Der kunstvoll gestapelte Turm auf der Sackkarre schaffte es nicht vom Parkplatz bis zur Kirche und landete krachend vor den Kirchenstufen! Viele helfende Hände griffen zu, ein schallendes Lachen war auf dem Platz zu hören, was für ein fantastischer Beginn! Die beiden Buchhändlerinnen präsentierten einen opulenten Büchertisch, der nicht nur das aktuelle Werk, sondern außerordentlich literarische Schätze von Klaus-Peter Wolf bereithielt.

Doch es war nicht nur der Büchertisch, der die Gäste an diesem Abend in seinen Bann zog: Auch die Freunde von Klaus-Peter Wolf, die beiden Chefs des Krabbenkutters Evers, waren angereist. Sie brachten nicht nur leckeren hochprozentigen „Krabbenkutter-Likör“ mit, sondern auch Bücherstützen, Lesezeichen und Kuscheltiere – von Unterstützenden selbst hergestellt und gebracht. All dies machte das Event noch persönlicher und gemütlicher.

Der große Andrang war spürbar: Die Schlange derjenigen, die sich ihr Buch signieren lassen wollten, war lang, und der Austausch zwischen dem Autor und seinen Lesern war herzlich. Dabei floss auch ein großer Teil des Erlöses der Veranstaltung an das Hospiz am Meer, eine Einrichtung, die Klaus-Peter Wolf vor vielen Jahren selbst gegründet hat. Martin Tenhaven, unser Schulleiter, unterstrich mit seinem Schlusswort, dass es ein Abend des Gebens war, der den Wert der Literatur und die Bedeutung von Nächstenliebe unterstrich.

Lesungen für Schülerinnen und Schüler

Am nächsten Tag, den 30. Januar, setzte Klaus-Peter Wolf sein Engagement fort, indem er mit drei Lesungen insgesamt etwa 750 Schülerinnen und Schülern begeisterte. Diese Lesungen waren nicht nur literarische Erlebnisse, sondern auch persönliche Einblicke in das Leben des Autors. Die jüngeren Zuhörer hörten gespannt zu, als Klaus-Peter Wolf aus seinem Werk erzählte, in dem die Figur des Felix, ein Junge mit einer Leidenschaft fürs Lügen, die zentrale Rolle spielt. Felix versucht, seine Eltern wieder zusammenzubringen, und das auf eine charmante, oft auch lustige Weise. Wird er es schaffen? Viele wissen es vielleicht schon, weil sie das Buch nicht nur gekauft haben und eine Signatur des Autors besitzen, sondern inzwischen auch gelesen haben!

Für die älteren Schülerinnen und Schüler nahm Klaus-Peter Wolf die Gelegenheit wahr, tiefere Einblicke in seine eigene Kindheit und Jugend zu geben. Aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen, geprägt von einem alkoholkranken Vater, der sowohl ihn als auch seine Mutter oft misshandelte, erzählte der Autor von den traumatischen Erlebnissen, die ihn prägten und letztlich zu einem der bekanntesten deutschen Schriftsteller machten. Diese Erlebnisse, so Wolf, seien der Ursprung seiner Geschichten und seiner Fähigkeit, schwierige Themen in eine zugängliche Form zu bringen.

Die Jugendlichen hörten aufmerksam zu, als er von den schwierigen Anfängen seines literarischen Werdegangs erzählte. Es war ein langer Weg, geprägt von zahlreichen Absagen und Rückschlägen, bis er schließlich mit dem Schreiben den Durchbruch erzielte und seine Mutter finanziell entlasten konnte.

Der Krimi „Die rote Taste“ und der offene Schluss

Ein weiterer Höhepunkt der Lesungen war die Vorstellung eines Kurzkrimis, den Klaus-Peter Wolf aus seinem Buch „Mord am Leuchtturm“ gewählt hatte: „Die rote Taste“. In dieser Geschichte geht es um einen zwölfjährigen Jungen, der in einer ähnlich schwierigen Familiensituation aufwächst wie der Autor selbst. Dirk entdeckt eine Möglichkeit, die Zerstörung seiner Familie durch die Misshandlungen des Vaters zu verhindern, indem er die rote Taste auf einer Fernbedienung betätigt. Die Geschichte endet jedoch offen: Wird der Junge diese Entscheidung treffen und damit sein ganzes Leben verändern?

Doch Klaus-Peter Wolf überließ es seinen jungen Zuhörern, diese Frage weiterzuspinnen. Er regte die Jugendlichen dazu an, über die Konsequenzen von Entscheidungen nachzudenken und darüber, wie das Leben oft durch ein einziges Ereignis oder eine Entscheidung in eine ganz neue Richtung gelenkt werden kann. Die Wirkung der Lesung war beeindruckend: Zunächst noch unruhig, fielen die Jugendlichen in einen tiefen Zustand der Konzentration und Begeisterung. Es war mucksmäuschenstill in der Kirche, als Klaus-Peter Wolf die letzten Worte des Krimis vorlas.

Ein bleibender Eindruck

Am Ende des Tages war es nicht nur das gelesene Wort, das die Schülerinnen und Schüler beeindruckte, sondern auch der Autor selbst, der mit seinen persönlichen Geschichten und seinem Mut, schwierige Themen anzusprechen, eine bleibende Erinnerung hinterließ. Viele der Jugendlichen ließen sich Autogramme geben, und zahlreiche Bücher wurden verkauft, um die Lesereise später, aber mit vielen Bildern im Kopf, fortzusetzen.

Die Poster von Klaus-Peter Wolf, die an diesem Tag aufgehängt wurden, werden sicherlich noch lange an dieses Event erinnern. Für die Schülerinnen und Schüler war es ein Tag, der sie nicht nur in die Welt der Literatur eintauchen ließ, sondern auch zu einer persönlichen Begegnung mit einem der beliebtesten deutschen Autoren führte. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und ein wunderbares Beispiel für die Kraft der Literatur, Menschen zu verbinden und zum Nachdenken anzuregen.

Martin Tenhaven stellte abschließend das Engagement Klaus-Peter Wolfs für das Hospiz am Meer noch einmal in den Raum, denn ein Drittel der Einnahmen soll dem Hospiz zukommen, ein weiteres Drittel dem „Spatzennest“ in Altenessen und ein weiteres Drittel dem Förderverein unserer Schule. Was wir jetzt nach der Abrechnung wissen: Es wird jeweils ein vierstelliger Betrag sein, das freut uns sehr!

Fotos: Jennifer Wehling und Inge Seemann