Marie-Louise Lichtenberg: Gegen das Vergessen – Eine Lesung mit Atmosphäre

Am Nachmittag des 30. Januar 2025 durften wir im Rahmen unseres Lesetages die Autorin Marie-Louise Lichtenberg am Leibniz-Gymnasium begrüßen. Marie-Louise Lichtenberg hat viele Jahre selbst als Geschichtslehrerin an einer Hauptschule gearbeitet und sich dort intensiv für die Leseförderung ihrer Schülerinnen und Schüler eingesetzt. Dies führt sie nun weiter, indem sie mit ihren Lesungen und Ausstellungen Kindern und Jugendlichen das Lesen nahebringt und zusätzlich dabei für Werte wie Mitmenschlichkeit, Respekt und Demokratie einsteht. Sie las uns am 30. Januar in unserer Aula aus ihrem Buch „Zwischen Glück und Grauen – Begegnungen mit Überlebenden der nationalsozialistischen Diktatur“ vor, zeigte Porträtaufnahmen der Überlebenden und erzählte zudem Geschichten über ihre Begegnungen. „Die Schülerinnen und Schüler müssen bei der Lesung nah bei mir sein“, sagte Marie-Louise Lichtenberg kurz vor der Lesung. Somit begannen wir damit, dass alle zuhörenden Schülerinnen und Schüler erst einmal ihre Stühle packten und sich näher an die Autorin setzten. „Ich möchte Kontakt zu den Jugendlichen aufnehmen und mit ihnen in den Diskurs kommen“, erklärte Marie-Louise Lichtenberg. Genau das ist nämlich das Konzept der Autorin. Sie möchte nicht nur vorlesen und die Geschichten der Zeitzeugen und Zeitzeuginnen vermitteln – nein. Der persönliche Kontakt, Fragen und Antworten, auch Geschichten der Schülerinnen und Schüler sollen bei ihren Lesungen aufkommen. Und das gelang bei uns am Leibniz-Gymnasium hervorragend.

Auch aufgrund der Nähe zwischen der Schülerschaft und der Autorin hatte die Lesung eine ganz besondere Atmosphäre. Schülerinnen und Schüler der Q2 hörten absolut gespannt, bewegt und interessiert zu. Alle Augen und Ohren waren auf die Geschichten der Überlebenden gerichtet. Marie-Louise Lichtenberg stellte uns sechs persönliche Geschichten von Überlebenden der nationalsozialistischen Diktatur vor. Die äußerst bewegenden, schrecklichen und kaum vorstellbaren Geschichten der Zeitzeugen stellten alle Beteiligten vor eine emotionale Herausforderung. Doch obwohl die Schrecken der Zeit durch die Autorin vermittelt wurden, gingen alle mit einem guten Gefühl nach Hause. Durch die Emotionalität, Empathie und auch die offene und liebevolle Art der Autorin, mit den Schülerinnen und Schülern und auch mit diesem schwierigen und ernsthaften Thema umzugehen, gingen alle Beteiligten nicht geschwächt, sondern gestärkt aus der Lesung. Mit der Gewissheit, dazu beigetragen zu haben und es weiterhin zu tun, die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Marie-Louise Lichtenberg nutzte die Metapher eines Steins, den sie durch ihre Arbeit ins Wasser wirft – und die Wellen, die rundherum entstehen, symbolisieren die Wirkung und auch das Weitertragen ihrer Geschichten und Erzählungen. Sie sprach zudem davon, ihre Geschichten bei den Schülerinnen und Schülern einpflanzen zu wollen, damit diese auch in den nächsten Generationen nicht in Vergessenheit geraten und immer weitergetragen werden können.

Dass dies funktionierte, wurde einerseits durch die intensiven Nachfragen der Schülerinnen und Schüler, aber auch durch die sehr persönlichen und offenen Gespräche nach der Lesung zwischen der Autorin und den Jugendlichen deutlich.  Das mitgebrachte Gästebuch der Autorin wurde mit sehr emotionalen Kommentaren gefüllt, die die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Arbeit von Marie-Louise Lichtenberg aufzeigen. Zudem präsentierten unsere Schülerinnen und Schüler des Projektkurses Geschichte der Autorin noch ihr eigenes Projekt gegen das Vergessen. Die Begeisterung auf Seiten der Autorin war sehr groß und sie war beeindruckt von dem Engagement, dem Wissen und der Offenheit unserer Schülerschaft. Wir danken Marie-Louise Lichtenberg für eine Lesung mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Es war ein Erlebnis für alle Beteiligten, das wir nicht vergessen werden.